Eine Madonna weint gegen AIDS an…via Facebook

Geschrieben am 30. November 2011 von Sebastian Staendecke
Themenbereich: Social Media

Kampagnen-Design

Kampagnen-Design

Der Verein “Jugend gegen AIDS” fordert in seiner Kampagne “Gott sei Dank – Kondome schützen” die katholische Kirche auf das Kondomverbot zu überdenken bzw. fallen zu lassen. Das möchte ich inhaltlich gar nicht diskutieren – die “Jugend gegen AIDS” sieht darin einen Weg die Verbreitung von HIV und AIDS einzudämmen.

Warum ich hier darüber schreibe? Nun, die Jungs und Mädls haben wohl eine der genialsten Kampagnen des Jahres gestartet, die zeigt wie man die virtuelle und die Offline-Welt miteinander verknüpfen kann. Ergänzt um eine geniale Symbolsprache ergibt sich eine Madonna, die in ihren eigenen Tränen ertrinkt.

Die Grundidee der Aktion “Gott sei Dank – Kondome schützen”

Dafür haben die Verantwortlichen einen Künstler beauftrag eine Marienstatue zu bauen. Diese steht in einer Glassäule und kann einzelne Tränen absondern. Und jetzt kommt der Social Media Clou an der Geschichte: für jeden neuen Fan der dazugehörigen Facebook-Page vergießt die Statue einen Träne – angeblich live und via Webcam nachverfolgbar. Und mit all den Tränen füllt sich der Glaszylinder immer weiter…es ist zu erwarten, dass der Madonna das Wasser in den nächsten Tagen sprichwörtlich bis zum Halse steht. Eine gute Zusammenfassung gibt es im dazugehörigen Video:

Wir fassen zusammen: jeder Fan der Facebook-Seite gibt ein Statement ab, dass er für die Abschaffung des Kondomverbotes ist und trägt so dazu bei, dass die Madonne ertrinkt. Die weitere Idee dahinter ist, dass es nicht im Sinne der Kirche sein kann, dass eine Marienstatue ertrinkt.

Effekte für die Sache und für die Macher

Zurecht muss man in Frage stellen, ob die katholische Kirche auf Grund dieser Aktion ihre Position verändern wird. So ein Papst hat nun mal das Problem, dass sein Wort auf der ganzen Welt gilt und fühlt sich zudem althergebrachten Werten verpflichtet. Da wird es nicht ausreichen, wenn die Jugendlichen eine Dokumentation gemeinsam mit einem offenen Brief an den Vatikan senden…der sollte ohnehin davon schon Wind bekommen haben (btw: weiß jemand etwas über das Social Media Monitoring des Vatikans???). Anyway: wer einfach schweigt, hätte noch weniger Einfluss.

Die Fanentwicklung

Die Fanentwicklung

Eines jedoch ist schon heute sicher: der Verein hat mit dieser grandiosen Aktion erfolgreich für Publicity gesorgt. Man kann beobachten, dass nach allfacebook (wo ich es her habe) immer mehr Leute darüber bloggen und in sozialen Netzwerken posten. Ich wusste heute morgen noch gar nicht, dass es diese Vereinigung gibt. Vermutlich berichten die klassischen Printmedien nach und nach auch noch in dieser Woche – die Aktion ist einfach eine Headline wert.

Noch erfolgreicher läuft allerdings die Fan-Generierung auf der Facebook-Seite der “Jugend gegen AIDS”. Seit zwei Tagen läuft die Aktion und nachdem die Fanbasis zuvor eher zögerlicht wuchs (die Fanzahl lag der Aktion bei um die Tausend), steht diese nach nicht mal zwei Tagen gerade bei knapp 5000 Fans. Und wie gesagt: die Fans wachsen vermutlich noch weiter an, so dass die Marienstatue schon bald auf Tauchstation gehen wird…

Ein kurzer Blick auf die Erfolgsfaktoren

Sieht man kurz hinein, kann man die Erfolgsfaktoren bereits auf dem ersten Blick erkennen:

  1. Die Aktion hat ein Thema, dass zwar i.d.R. nur latent aber immerhin im Alltag der Menschen präsent ist – zumindest ist uns die Problematik bekannt. Und der Kampf gegen AIDS ist in jedem Fall doch eine gute Sache, oder? Und Diskussionsbedarf zur Haltung der Kirche besteht bekanntlich auch schon seit längerem.
  2. Die Terminierung in den Kontext des Welt-AIDS-Tags ist ebenfalls nicht zufällig gewählt – so profitiert von der allgemein bereits höheren Medienberichterstattung zum Thema.
  3. User haben die Möglichkeit mit minimalem Aufwand ein Statement zu platzieren – ein Klick und “meine” Träne gegen AIDS rollt die Wange der Madonna hinunter.
  4. Die Geschichte hat, auch wegen ihrer technischen Umsetzung, dem Künstler und dem “aktuellen” Medium Facebook, ein erkennbares virales Potenzial.
  5. Die Macher haben die Aktion professionell geplant (oder planen lassen) und umgesetzt. Videos, Grafiken und sonstige Infos sind bereits vorhanden und allgemein zugänglich publiziert.
  6. Es wurde keine eigene Facebookpage für die Seite angelegt, sondern die bestehenden Vereins-Seite genommen. Auf diese Weise sind die Fans zunächst einmal an den Verein gebunden und können künftig via Facebook angesprochen werden.

In diesem Sinne: Gratulation zu dieser gelungenen Aktion! Ach ja und falls Du die Aktion unterstützen möchtest: einfach Fan der Facebookseite werden. Dort gibt es übrigens auch eine “Wasserstandsanzeige”.

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